Studien zur Hormonersatztherapie (HET)
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 Praxis Dr. med. Erik-C. Miller 
                                                                                                                                                                                                                                                                                         

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Studien zur Hormonersatztherapie (HET)

Für die Hormonersatztherapie (engl. Hormon Replacement Therapy, HRT) mit Östrogenen (Ö) bzw. einer Östrogen-Gestagen-Kombination (Ö+G) ist in mehr als 1000 Studien nachgewiesen, dass die Einnahme von großem Vorteil ist.
Bis zum vergangenen Jahr (2002) war die Welt auch noch in Ordnung. Aber dann wurden die Ergebnisse von 2 Studien veröffentlicht, die im Gegensatz zu den 1000 Studien vorher ein Aufsehen erregten, dass sie eigentlich gar nicht verdient haben:

1. Million Women Study (Grossbritannien)
Zeitraum: Läuft seit 1996
Design: Einmalige Datenerhebung, keine Fallkontrollstudie, keine Doppelblindstudie
Ziel: Stellenwert einer Routine-Mammografie für die Senkung des Brustkrebsrisikos
Patienten: primär gescreent 1.084.110 Frauen, rekrutiert aber nur 1,1 % davon (11.925 Frauen), also starke Selektion!
Alter: 50 bis 64 Jahre (im Mittel 55,9)
Keine primär gesunden Frauen, sondern vom Arzt ausgewählte, möglicherweise wurden bevorzugt Risikopatienten in die Studie aufgenommen.

Ergebnisse (2002):
- Brustkrebsrisiko um 30 % erhöht - in absoluten Zahlen:
  5 Fälle (Ö) bzw. 19 Fälle (Ö+G) auf 1.000 hormonbehandelte Frauen pro Jahr
 
Interpretation (Fachpresse, w): Unter einer Hormontherapie werden mehr Mammakarzinome entdeckt, da sie (durch stärkere Durchblutung und Proliferation) schneller wachsen. Es entstehen aber deshalb nicht mehr. Dies war bekannt. Weitergehende Schlussfolgerungen lässt die Studie nicht zu!

2. Women's Health Initiative (WHI) - Studie (USA)
Zeitraum: Läuft seit 1993, Kombinationsbehandlung Ö+G wurde nach 5 1/2 Jahren abgebrochen, alleinige Therapie mit Ö läuft weiter
Design: geplant Doppelblindstudie, Verblindung aber aufgehoben
Ziel: Beeinflussung KHK (Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
Patienten: primär gescreent 373.092 Frauen, rekrutiert aber nur 4,5 % davon (16.789 Frauen), also starke Selektion!
mittleres Alter: 63,2 Jahre (20 % der Frauen waren über 70 Jahre alt)
Keine gesunden Frauen, sondern:
- 50 % Raucherinnen
- 34 % Adipöse (BMI > 30 = deutliches Übergewicht)
- 36 % Hypertoniker (Bluthochdruck)
- 20 % nahmen Aspirin (ASS), also Herz-Risiko-Patienten
- 12 % nahmen Lipidsenker (also Fettstoffwechselkranke mit hohen Cholesterinwerten)
weiter fanden sich in der Gruppe Frauen mit
Angina pectoris Beschwerden und Zustand nach Herzinfarkten, Bypass-Operationen, Venenthrombosen, Lungenembolien, selbst Diabetikerinnen (die mit wichtigste Ursache für KHK!) sind enthalten.

Ergebnisse (2002):
- Thromboembolie-Risiko und KHK um 30-40 % erhöht
- Brustkrebsrisiko um 26 % erhöht - in absoluten Zahlen:
  1 Fall auf 1.000 hormonbehandelte (Ö+G) Frauen pro Jahr
  Keine Risikoerhöhung bei alleiniger Ö-Einnahme

Interpretation
(Fachpresse, w): Eine Hormonersatztherapie bei Frauen, bei denen bereits eine Arteriosklerose besteht oder die eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben, bringt keinen Gewinn, im Gegenteil hier könnte es zu einer Risikovermehrung kommen.

Hormonpflaster

Aber es wurden auch deutliche Risikominderungen unter HET festgestellt:
- Osteoporotische Knochenbrüche (Wirbelsäule, Schenkelhals): 35 % weniger
- Dickdarmkrebs: 35 % weniger

Bemerkenswert ist, dass von der Laienpresse andere sehr große und besser angelegte Studien nicht einmal erwähnt, z.B.:

3. Nurses Health Study (USA)
Zeitraum: Läuft seit 1976

Design: Prospektive Kohorten-Beobachtung
Ziel: Beeinflussung KHK (Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
Patienten: 121.700 gesunde Krankenschwestern
Alter: 30 bis 55 Jahre
Letzte Auswertung w: 2000 von 70.533 Frauen

Ergebnisse:
- Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 40 %
- Erhöhung des Brustkrebsrisikos: 1,3 zu 1 (Hormontherapie mit Ö + G zu Nichttherapie)

Auflistung der Ergebnisse weiterer Studien zur Hormontherapie bezüglich
kontrovers diskutierter Wirkungen zu folgenden Erkrankungen:

Risiko Herz- und Kreislauf-Erkrankungen (KHK)

Jahr
Land
Teilnehmer-
zahl
Design
Risiko-
minderung
Autor
2001
USA
?
Fallkontrolle
gesenkt
Hodis et al.
2000
Holland
2.196
Kohorte
30 %
Westendorp et al.
2000
England
6.013
Fallkontrolle
30 %
Varas-Lorenzo et al.
2000
USA
70.533
Kohorte
40 %
Nurses Health Study
2000
USA
2.824
Fallkontrolle
30 %
Heckbert et al.
1999
Schweden
9.236
Kohorte
30 %
Grodstein et al.
1998
USA
2.824
Metaanalyse
30 - 40 %
Barrett-Connor et al.

Fazit: Für die Herz-Kreislauf-Erkrankungen (KHK) bedeutet die Hormonersatztherapie bei Frauen OHNE vorbestehendes Risiko immer eine Risikominderung (etwa um 30 %)!
Für Frauen MIT vorhandener Herz-Kreislauf-Erkrankung kann tatsächlich eine Risikovermehrung bestehen. Hier muss das Für-und-Wider einer HET sehr genau geprüft und sorgfältig abgewogen werden. Statine können diese Risikovergrößerung wahrscheinlich völlig aufheben w.

Risiko Brustkrebs

Jahr
Land
Beobachtungs-
zeit (Jahre)
Risiko-
erhöhung Ö
Risiko-
erhöhung
Ö + G
Autor
2002
USA
5,2
kein
1,26
WHI
2002
Kanada
6,8
kein
3,48
Kirsh et al.
2002
USA
> 5
kein
1,45
Weiss et al.
2002
USA
> 5
kein
1,76
Porch et al.
2002
USA
Diagnosestellung
kein
1,49
Chen et al.
2002
USA
> 5
kein
2,50
Dailing et al.
2001
USA
Metaanalyse 45 Studien
kein
gering
Bush et al.
2000
Schweden
Diagnosestellung
kein
1,40
Schairer et al.
2000
USA
> 5
kein
1,51
Ross et. al.
1999
Schweden
Diagnosestellung
1,94
1,63
Magnusson et al.
1996
Schweden
13
kein
1,30
Persson et al.

Fazit: Östrogene [Ö] wirken NICHT krebserregend, sie fördern die Durchblutung und Proliferation (Aufbau) von Brustdrüsengewebe und führen zur schnelleren Diagnose eines Mammakarzinoms.
Die zusätzliche Gabe von Gestagenen [G] (vor allem Medroxyprogesteronazetat [MPA]) scheint sich negativ und krebsfördernd auszuwirken. Es ist deshalb zu überlegen, ob ein Gestagenzusatz bei Frauen mit noch vorhandener Gebärmutter (wie heute noch empfohlen) sinnvoll ist, da auch die Gebärmutterschleimhaut proliferiert (aufgebaut) wird.
In jedem Fall sinkt die Sterblichkeit beim Brustkrebs, d.h. die Überlebenschancen steigen, wenn Östrogen (+ Gestagene) eingenommen werden, und letztlich wiegt dies am stärksten.
Und: In jedem Fall ist eine mögliche Risikoerhöhung (Östrogen + Gestagen) sehr klein und wird von den anderen Vorteilen einer Hormonersatztherapie mehr als nur aufgewogen.
Das Risiko bei einem Alkoholgenuss von mehr als 20 g pro Tag entspricht der heute diskutierten Risikoerhöhung einer kombinierten (Ö + G) Hormonersatztherapie. Wenn Sie regelmäßig ein Glas Bier oder Wein abends trinken, führt das zur gleichen Risikoerhöhung (Alkoholmengen für verschiedene Getränke: w).
Ein weiteres Risiko ist das rasieren der Achselhöhlen und die Benutzung eines Deodorants, das Paraben enthält; bei 3 mal wöchentlicher Anwendung tritt Brustkrebs 15 Jahre früher auf
w.
Faserreiche und fettarme Ernährung senken das Brustkrebsrisiko (Studie an 11.726 Frauen über 50 Jahre),  Früchte und Gemüse beeinflussen das Risiko nicht.
Die folgende Tabelle  gibt das relative Risiko für die Entwicklung von Brustkrebs wieder:

Risiko
Faktor
Rel. Risiko
Geschlecht
Männer : Frauen
1 : 100
Alter
25 Jahre : 45 Jahre
1 : 20
Krebs in der Familie
kein : 2 Mitglieder (Mutter oder Schwester)
1 : 5
Krebs in der Familie
kein : 1 Mitglied (Mutter oder Schwester)
1 : 2,5
Menopause mit
42 Jahren : 52 Jahren
1 : 2
Erste Geburt mit
20 Jahren : 35 Jahren
1 : 1,4
Erste Regelblutung mit
14 Jahren : 11 Jahren
1 : 1,3
Schwangerschaften
Ja : Nein
1 : 1,3
Alkoholkonsum
Kein : >20 g täglich
1 : 1,3
Hormonersatztherapie (Ö + G)
Nein :  Ja
1 : 1,3
Stillen
5 Jahre : Kein Stillen
1 : 1,2
Anti-Baby-Pille
Nein : Ja
1 : 1,1

Es wird deshalb einheitlich von den Experten empfohlen, dieses kleine mögliche Risiko (Ö + G) in Kauf zu nehmen um von den anderen gesicherten Vorteilen deutlich überproportional zu profitieren.

Zusammenfassung:

Hormone sollten,

1. wegen einiger Studien, deren Durchführung nicht den heutigen wissenschaftlichen Standards entsprechen nicht verteufelt werden. Im Gegenteil, sie haben einen positiven Effekt auf alle Systeme in unserem Körper w.
 
2. rechtzeitig gegeben werden; ein Beginn erst im hohen Alter, nach einer langen Phase stark erniedrigter Hormonspiegel, kann problematisch sein.

3. begonnen werden, so lange der Mensch gesund ist; sind Krankheiten bereits manifestiert, muss eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Analyse vorausgehen, hier ist der Spezialist (besonders) gefragt.

4. nur von einem Arzt verschrieben werden, der die dafür nötigen Kenntnisse erworben hat. Hormone gehören, wie die Studien belegen, in die Hand des Experten. Nur so kann vermieden werden, dass weitere negative Statistiken zur Beunruhigung führen.


We regret that at the moment not yet all left and above in the task bar in English for the order; we operate on it.

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